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25 Laghetto (Chironico)


Höhe: 1190 m
Dauer: 6 Stunden




Von einem Tal zum andern

Der Ingenieur Agostino Nizzola beschrieb 1909 das Kraftwerk Ticinetto wie folgt: "Rund 1800 Meter über Meer liegt auf der rechten Seite des Valle di Chironico ein etwa 40 Meter tiefer Bergsee mit einer Oberfläche von 200'000 m2. Durch Stauung ist nun aus diesem See ein saisonales Speicherbecken von 1'500'000 m3 entstanden. Die Staumauer ist an der höchsten Stelle 12,50 m hoch, hat eine 46 m lange Krone und weist interessante bauliche Details auf. Sie wurde in Trockenmauerwerk gebaut und leidglich auf der Seeseite mit Wasserkalk ausgekleidet und mit Stahlbeton überzogen. Gegenüber dem Damm wurde ein Hochwasserüberlauf in den Felsen gehauen. Die Flutklappe wird mit Hilfe eines Drosselventils und einer Rohrleitung von 35 cm Durchmesser reguliert". Das Drosselventil wurde jeweils zwischen dem Dreikönigsfest und Ende Februar geöffnet. Dionigi Barudoni, der Betriebsleiter des Kraftwerkes Ticinetto, schildert dies in seinem Tagebuch. Er erinnert sich insbesondere an den Februar des Jahres 1910, als zur Öffnung des Drosselventils nur noch "eine einzige Lösung" blieb. Man musste es zerschlagen, was grossen "Mut" verlangte. Barudoni berichtet auch über eine Lawine, die im Jahre 1917 die zehn Jahre zuvor am linken Seeufer erbaute Hütte zerstörte und den See zum Überlaufen brachte, worauf, zusammen mit den Wassermassen, "Röhren, Schubkarren, eine Esse, Holz und anderes" zu Tal stürzte (die Hütte wurde 1925 an einem gesicherteren Ort wieder aufgebaut und dient heute den Fischern).

Der Chironico hat also eine Geschichte zu erzählen: eine Geschichte technischer Leistungen und menschlichen Mutes. Barudoni schreibt in seinem Tagebuch: "Die Angestellten, die zum See hinaufsteigen, wenn die Alpen noch schneebedeckt sind, müssen eher kalte Tage wählen, um nicht von Lawinen verschüttet zu werden, und nicht zu windige, um vor Schneestürmen sicher zu sein, denn der Wind bläst gewöhnlich sehr stark, da der See in einer engen Senke zwischen zwei steilen Bergflanken liegt, die die Grenze zwischen dem Val Chironico und dem Valle Verzasca bilden". Durch eben diese Senke ("Piatto") führt die Wanderung, zu der man in Chironico oder Sonogno starten kann. Sie eignet sich für schwindelfreie Wanderer mit guten Beinen, die zwei nicht nur landschaftlich verschiedene Regionen vergleichen möchten.

Unterwegs gibt es Bergweiler zu befragen, Wasserfälle zu fotografieren, Berggipfel zu begehren. Die Landschaft ändert sich je nach Tageszeit und Höhe; sie betont die Linien, die Farben und verschmilzt sie schliesslich in ein Gesamtbild, das in seiner grenzenlosen Weite alle Namen vergessen lässt.
Dem Wanderer, der von Cala her aufsteigt, offenbaren sich die Nuancen des von kargen Ufern umschlossenen Sees nur nach und nach. Ganz langsam, fast widerwillig, zeigen sie, was sie für jene bereithalten, die das abwechslungsreiche Farbenkaleidoskop des Wassers zu entdecken wissen. Dem Wanderer, der von Cognora her aufsteigt, scheint sich der See hingegen in seiner ganzen Schönheit zu präsentieren; doch dann versteckt er sich zwischen mächtig emporragenden, senkrechten Felsen, als sei er ein flüssiger Schatz auf dem Grund einer grosszügigen, mit Goldschmiede- Präzision erbauten Festung, deren ganze Wehrhaftigkeit man erst auf Seehöhe richtig erfasst.


Das Seeufer steht in Einklang mit diesem Ort, der sich seines trutzigen Charakters sehr wohl bewusst ist und keine Anstalten macht, lieblich zu wirken. Die Geröllhalden, die von Zeit zu Zeit auftauchen, als ob sie ein bisschen Licht tanken möchten, wirken wie von staubigen Schneefeldern getarnt; die Farben wechseln von Dunkelgrün zu Hellblau, von mattem Grau zu kristallklarer Durchsichtigkeit, ohne erkennbaren Grund und ohne Übergänge, als ob ein Reglement jede Vermischung verbieten und für den Chironico eine genau bestimmte, beschränkte Zahl von Tönungen vorschreiben würde. Das hindert den See allerdings nicht, den Wind (der von der Senke herunterpurzelt, als ob er den Abgrund zu spät entdeckt hätte) und die Sonne (die manchmal direkt aus den glühenden Felsen der Cima Bianca zu erstrahlen scheint) für sein Farbenspiel auszunützen.

Die Wanderung verbindet zwei Täler und zwei Dialekte. Der Wanderer trifft auf Stellen, die vorsichtshalber durch feste Seile gesichert sind, auf stille Winkel, in denen nur das Wasser eines Holzbrunnens murmelt, auf geschnitzte Kreuze - Zeugen des Glaubens -, auf Bäume, die ebenfalls eine symbolische Funktion haben (andere neigen sich über den See, als ob sie dort ihren Schatten verloren hätten und angestrengt danach suchten). Die Wanderung zum Chironico ist interessant und faszinierend; sie bietet zudem die Möglichkeit, in der Cognora-Hütte zu übernachten. Deren Annehmlichkeiten würden Valerio Ostini erstaunen, der 1953 im von Angelo Tamburini herausgegebenen Buch "Alpinismo" schrieb: "Wer in den Dörfern des Verzasca-Tals übernachten will, sollte alles Nötige mitnehmen und sich mit Wurst, Käse und Eiern zufriedengeben.

Die Hütten, besonders auf den nicht mehr bestossenen Alpen, sind gewöhnlich nur als Notschlafstellen zu gebrauchen". Mit der Cognora-Hütte ist aber auch der 1969 ausgedrückte Wunsch eines anderen begeisterten Berggängers, Pepito Carmine, in Erfüllung gegangen: "Das Valle Verzasca und seine Berge sind noch wenig bekannt. Wir müssen deshalb möglichst bald auch in diesem Tal für bequeme Basen sorgen. Nach dem Aufstieg zur Cimetta sollte man über die Kämme bis zum Pizzo Barone gelangen können, ohne ins Tal absteigen zu müssen".