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22 Rund um der Naret


Höhe: ca. 200 m
Dauer: 2 Stunden


 
 
 

Ein lohnendes Ziel

"Durch das zauberhafte Sambuco-Tal gelangt man ohne die geringste Mühe zur Alp Campo la Torba, die für ihren Käse berühmt ist. Dann geht man nach links und sieht nach einer kurzen Steigung die prächtigen Naret-Seen mit ihren blumenreichen Ufern, an denen auch das seltene Edelweiss wächst".
Diese Beschreibung von Federico Balli aus dem Jahr 1884 scheint, abgesehen von der unausgesprochenen Einladung zum Enzianpflücken, wie gemacht, um an den Reiz einer Gegend zu erinnern, die trotz zerstörerischer Eingriffe des Fortschritts noch immer schön ist, so dass der Advokat Silvio Fiori in einer poetischen Anwandlung vom Naret-See sagte, er strahle "wie die Alpenkönigin, wenn sie ihr dichtes Haar für ein Liebestreffen auflöst".
Der Naret-See ist heute ein Staubecken und "über den lieblichen Wiesen mit den weidenden Herden", die der Mailänder Arzt Giacomo Grancini 1874 in der "Gazzetta Medica di Lombardia" beschrieb, führt inzwischen statt des Wanderweges eine Fahrstrasse. Samuel Butler liess sich von der "einzigartigen Schönheit" des Sambuco-Tal musikalisch inspirieren. Alfredo Pioda liebte das "weite, ansteigende Tal" mit den "einsamen Ställen" im saftigen Grün der Wiesen.

Edmondo Brusoni freute sich an der "heiteren, wohltuenden Landschaft". Angelo Nessi sprach von einer "unvergesslichen romantischen Sanftheit", von einem "wunderbaren Paradies, das die Wirklichkeit verblassen lässt". Luigi Lavizzari war "entzückt" von den Naret-Seen "mit ihrem Uferkranz alpiner Pflanzen". Für Francesco Chiesa gab es "nichts Schöneres auf der Welt als die Glückseligkeit, die von einsamen Berglandschaften wie dem Naretpass ausgeht. Die Blau-, Rosa- und Lilatöne dieser Seen finden einzig in der leidenschaftlichen Sprache der Musik angemessenen Ausdruck".

Der Naret Grande, der einen Wanderer 1888 "in unaussprechliches Staunen" versetzte, ist heute ein Stausee. Doch der Beton hat nicht alles überwuchert: Die Seen, die ihm entgangen sind, stellen noch immer ein lohnendes Ziel dar, vor allem für Menschen, die, wie Meinrado Pisoni aus Ascona im vergangenen Jahrhundert "nach Ruhe lechzen und den Lärm fliehen", die "mit Gras und Blumen Zwiesprache halten und dem Rauschen des Baches lauschen".

Der Sassolo ("Lag bass") ist vor Sonnenaufgang fast schwarz: Es scheint, als lasse der höher gelegene "Lag da sura" den letzten Rest seines nachtdunklen Wassers ausfliessen, um Platz zu schaffen für das Tageswasser, das dem Grün des Grases sogleich die Farbe stiehlt und sie in Durchsichtigkeit auflöst.


Doch dann verwandelt das Licht dieses Grün in Indigoblau, das langsam vom Grund aufsteigt und dem See nach und nach Farbe verleiht, genau wie dem "Lag bass" mit seinen Felsen, die ins Wasser tauchen, als wollten sie täglich den Fischreichtum überprüfen. Unweit des Staudamms gelegen, versucht der Lago Scuro, eine gewisse Eigenständigkeit zu wahren (ein kleiner Strand bezeugt feierlich, dass er seit Urzeiten ein natürlicher See ist). Seinen geheimnisvoll abweisenden Namen scheint er zu Unrecht zu tragen, wenn er edelsteinartiges Funkeln, barocke Widerscheine, Wellen- und Wolkenspiele mischt; doch manchmal erinnert er sich plötzlich daran und verfärbt sich grundlos dunkel, so dass selbst die leuchtenden Blumen verblassen, die sonst die Steine ringsum weicher machen.

Ein samtener Grasteppich bedeckt ein Ufer des kleinen Sees, der sich dem Blick bis zuletzt verbirgt, und dann als Juwel in friedvoller Umgebung erscheint.
Auch der Cristallina führt den Wanderer, der glasklares Wasser erwartet, oft in die Irre: Am Nachmittag wird er manchmal ganz grau und lässt sich unter dieser kalten, undurchdringlichen Decke nicht mehr ergründen. Ein eisiger Schleier bedeckt dann den See, der im Frühling, wenn die Schneeschmelze beginnt, ganz smaragdgrün wirkt, als habe der lange Winter Edelsteine zu Pulver verrieben und das Wasser damit gefärbt.

Val Sabbia hingegen erinnert an Sand, doch auch dieser Name ist täuschend: Der See liegt inmitten von Weiden, die ihn vom goldbraunen Schlamm des Miniaturdeltas trennen. Das Wasser fliesst fast unhörbar, als fürchte es, die kostbare Stille zu durchbrechen, und verlässt den See auf Zehenspitzen: Man hört nur ein regelmässiges Tröpfeln, das leise die Zeit misst. Im Naret-Gebiet erwarten den Wanderer noch zwei andere Seen: der Madone (ein vom Bedretto-Tal herkommender Wanderer schilderte ihn 1911 auf folgende Weise: "Ein Bild zauberhafter Schönheit tat sich vor uns auf: Unmittelbar unter uns funkelten in einem göttlichen Lächeln die Naret-Seen und der Fornà, der seinen abgesonderten Platz bewusst gewählt zu haben scheint, um sich den Lawinen auszusetzen und so die anderen Naret-Seen zu schützen.

Giuseppe Zoppi hielt sich gerne an seinen Ufern auf, wo "Hunderte von Kuhglocken, Hunderte von scheinbar zusammenhanglosen Tönen sich zu einem zarten, herrlichen Adagio verweben".