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03 Cava und Lago


Höhe: 891 m
Dauer: 3 Stunden


 

Gipfel und Wipfel

Unsere Wanderung führt zu drei Seen, den beiden kleineren von Cava und, auf der anderen Bergseite, jenem von Lago. Wie viele andere Bergseen der alpinen Region sind sie zwar klein, aber in ihrer abgeschiedenen Stille besonders schön und lieblich. Eine Schönheit, die wir in der Lage, der Farbe, dem Panorama, aber auch schon unterwegs auf der Wanderung selber finden können.
Das Pontirone-Tal hat eine interessante Geschichte. Schon im 15. Jahrhundert, als Pontirone noch Pontrón hiess, war es vital, ebenso im 16. Jahrhundert, als der hl. Karl Borromäus zu Besuch kam und auch noch zwei Jahrhunderte später, als Schinz die rüstigen Holzfäller, die “Borradori”, beschrieb, die auf den vereisten Holzkanälen das gefällte Holz ins Tal bis Biasca beförderten. Später, im 19. Jahrhundert, wurde Pontirone der Gemeinde Biasca einverleibt und entvölkerte sich zusehends. Die Geschichte von Pontirone erzählt von Opfern, Lawinen und Abgründen, es ist die Geschichte eines Tals und eines Flusses, der “Lesgiüna”, die sich 9 Kilometer lang mühsam einen Weg durch die Felsen frisst und an die harte Existenz der Bewohner von Pontirone erinnert, die einst wirklich Blut schwitzen mussten, um zu überleben.
Nach dem Weiler Biborgh wird der Automobilist zum Wanderer und setzt den Aufstieg zu Fuss fort. Er begreift und erfasst so leichter (als im Autosessel) die Faszination und den Charme dieser Gegend, er erkennt und versteht die Natur und ihren Frieden, die Würde der unberührten Bergwelt und ihre Ehrwürdigkeit, der gegenüber die nur wenige Kilometer entfernte Zivilisation mit all ihrer Überheblichkeit verblasst, verblassen muss. Und plötzlich befindet man sich inmitten von Tannenwäldern, wo hohe Bäume mit eleganten Stämmen auf alte, zerrüttete Tannen folgen. Dicht bewachsene Waldstücke reihen sich an freie, offene Plätze, während der Vogelgesang und die Schritte des Wanderers in wechselndem Rhythmus zwischen Wiesenboden und Walderde widerhallen. Man wandert durch Farben, durch eine Palette von Grüntönen in den verschiedensten Abstufungen vom feinsten, fast durchsichtigen bis zum dichten und satten Grün, die alle intensiv auf den Wanderer eindringen.


Und wieder ändert sich die Landschaft schlagartig: Die Alpweiden breiten sich aus und erscheinen in hellem Licht, das in seiner Intensität nicht mehr von den Bäumen zurückgehalten wird und wie eine gleissende Hülle über dem Gras liegt: Beinahe hört man, wie sie durchbrochen wird durch die Fussstapfen der Viehherden, die auf den Alpen Cava und Sceng auf Schritt und Tritt beweisen, dass eine gesunde Alpwirtschaft immer noch möglich ist.
Ringsum beherrschen hohe Gipfel die Szene und bilden einen scharfen Gegensatz zu den Weiden, die aufwärts streben, ohne deswegen der “Lüvina dal Gombat” und dem “Buion” etwas von ihrer Schönheit zu rauben. Geraubt wurde früher dem Kleingletscher des “Torrone d’Orza” das Eis, das zerkleinert und in Stücke geschnitten zu Tal gebracht wurde, um als Vorfahre der modernen Eisschränke Fleisch und andere Lebensmittel haltbar zu machen.
An den beiden Seen von Cava breiten sich duftende Blumenteppiche aus, die immer wieder zu jeder Tageszeit in anderem Licht erscheinen und deren Farbe durch vorbeiziehende Wolken verändert wird: glänzt und schillert der eine, ist der andere trübe und undurchsichtig, als wollten sie sich gegenseitig in ihrer herben Schönheit konkurrenzieren.
Der dritte See erscheint dem weiter von Cava nach Forcarella di Lago aufsteigenden Wanderer auf der anderen Bergseite einsam und unabhängig. Schon der Weg von der Furka hinunter, anfangs etwas beschwerlich, vermittelt diesen einsamen und zurückhaltenden Stolz der Bergwelt.
Diesem See entspringt der “Ri della Froda”, der viel weiter talauswärts den prächtigen Wasserfall von “Santa Petronilla” inszeniert. Diese herrliche Szenerie, dieses Panorama, die hier oben ihren Ursprung haben, setzen sich fort bis nach Biasca und weit in die Leventina hinein: eine überwältigende Schönheit, vor der man in Staunen verstummt.